marketingfish


Aufgabe

Der noch junge Werbe-Blog marketingfish braucht frischen und frechen Kontent für sein redaktionelles Angebot.

Lösung

Autoren der denkfamilie beliefern den Onlineverlag NIKU regelmäßig mit Recherchen, aktuellen Marktanalysen, Social-Media-Beobachtungen oder Kampagnenkritiken.

Binnen 24 Monate wanderte marketingfish auf Platz drei der meist gelesenen Marketing-Blogs überhaupt und wird regelmäßig von der Plattform Xing an seine Mitglieder weiterempfohlen.


Leseprobe:

Is‘ mir egal – BVG findet endlich die richtigen Worte

Is' mir egal - BVG findet endlich die richtigen Worte

Is‘ mir egal – BVG findet endlich die richtigen Worte – © youtube.com/weilwirdichlieben

Lange hat es gebraucht. Wir meinen nicht den Berliner Flughafen. Der ist immer noch eine Bauruine. Wir reden von dem Versuch der Berliner Verkehrsbetriebe, von den verwöhnten Hauptstädtern ins Herz geschlossen zu werden. Jetzt hat es (scheinbar) geklappt.

Was haben sie nicht alles unternommen: Digitale Kummerkästen wurden aufgehängt, Szene-Klamotten in Sitzbankmuster gedruckt, und Kunden dazu missbraucht, sich selbst die U-Bahn-Stationen aufzurufen. Nichts wollte fruchten. #weilwirdichlieben mutierte zur Lachnummer der Hauptstadt.

Auch wir haben schon über die Gründe geschrieben, warum die an sich gut gedachte und sehr engagierte Kampagne einfach nicht zünden wollte. Wir kamen zu dem Schluss, dass man den Berlinern oder Hamburgern, anders als anderen Städtern, nicht mit gutem Willen und Herzlichkeit kommen kann. Dafür sind diese Städte einfach zu sarkastisch drauf.

www.marketingfish.de/aktuell/social-media/bvg-forderte-lob-und-erntete-einen-shitstorm-1000732/

Trash statt Hip

Also blieben die gut gemeinten Avancen unbeantwortet. Bis jetzt. Nachdem man in Berlin auf „nett“ und „hip“ nicht so recht klar kam, versuchte es die BVG jetzt mit „rotzig“ und „trashig“. Und siehe da: Es funzte! Und gleich so richtig. 1,5 Millionen Menschen fanden den neuen YouTube-Song der BVG bislang „nice“.

Für den Song verpflichtete die dafür perfekt geeignete Agentur „Jung von Matt“ wieder einen B-Star aus dem Internet der absonderlichen Dinge, Kazim Akboga. Der hatte mit seinem simplen Eigenbau-Liedchen „Is‘ mir egal“ zwar schon Dieter Bohlen bei „Deutschland sucht den Superstar“ erfolgreich genervt, doch mehr als bis in die BILD hatte er noch nicht geschafft. Im Auftrag der gewieften Hamburger Werber („Supergeil“ für Edeka) textete der radebrechende Deutsch-Türke aus Neukölln seinen Song um. Und das wurde super lustig.

Viel machte natürlich die gekonnte Inszenierung des Clips aus. Das Original bestürzt eher durch seine Negativität. Erst die Video-Profis schafften es, das Potential des Textes optimal mit Szenen in Bus und Bahn zu verschmelzen.

Legt Euch gehackt!

Die Botschaft des vorbildlichen Meisterwerks ist so simpel wie komplex. Dem meist gehassten BVG-Mitarbeitertyp, dem Ticket-Kontrolleur, wird eine nicht unrealistische Nonchalance unterstellt, die einfach cool ist. Damit sendet die BVG auch unterschwellig die einzig wirkungsvolle Antwort auf die vielen Witzeleien, Schimpftiraden und zerschlitzten Sitzbänke in Folge ihres Schmusekurses: „Ist uns egal!“. Die BVG ist also doch eine echte Berlinerin!


VW nervt mit biblischer Selbstgeißelung

VW nervt mit biblischer Selbstgeißelung

VW nervt mit biblischer Selbstgeißelung

Volkswagen gelobt Besserung und stellt dazu eine schlichte Textanzeige nach der anderen in die Zeitungen. So entsteht eine neue Bibel des trockenen Krisenmanagements. Warum das Unternehmen besser nichts mehr sagen sollte.

Marketing-Blogs strotzen nicht gerade mit Analysen der Heiligen Schrift. Doch hier kann man getrost mal eine Ausnahme machen. Denn wer noch immer täglich in seriöse Tageszeitungen blickt, dem vermiesen jetzt schon seit Wochen eigenartige, wie Sterbeanzeigen aussehende Texte des ehemals vor Selbstbewusstsein strotzenden Volkswagen-Marketings die Laune. Statt coolen Sprüchen und denkwürdigen Verkürzungen wie „Das Auto“ kommen da mittlerweile verbale Selbstgeißelungen der Sonderklasse. Es fehlte bislang nur „Darum spreche ich mich schuldig und tue Buße in Staub und in Asche!“ aus dem Buch Hiob, Kapitel 42.

Buch VW, Kapitel 1 – „Freue Dich nicht mit Deinen Mitmenschen“

Los ging es mit „Eigentlich sollte hier unsere Anzeige zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung stehen„. Die Absage an das Nationalfest wurde begleitet von abgesagtem Dank an die Mitarbeiter, Zulieferer und Kunden. Stattdessen wolle der Konzern nun nur noch um Vertrauen werben.

(Quelle: Stefanie Hauk auf Twitter)

Ein Sünder darf sich also nicht mehr mit anderen über gewöhnliche menschliche Dinge (ohne Auspuff) freuen. Kunden, Mitarbeitern und sogar Zulieferern dürfe nicht mehr gedankt werden. Das tat weh. Vor allem dem Gefühl für Logik. Warum müssen denn alle anderen mitleiden, wenn irgendwer Abgaswerte fälscht, die deutsche Einheit inklusive?

Kollegen von großen Agenturen fanden noch mehr Fragwürdiges an der Anzeige: „Wirkt auf mich geradezu eingeschüchtert und kleinlaut. Da müssten jetzt sehr schnell Taten folgen„. „Inhaltlich OK, aber viel zu getextet und daher wenig glaubwürdig. Eigentlich.“ oder „Nur zu sagen, wir wollen das Vertrauen unserer Kunden zurückgewinnen, ist etwas banal.“ waren die Reaktionen von Profis.

Buch VW, Kapitel 2 – „Baue Dir einen neue Ruf wenn der alte kaputt ist!“

Die Texter für Volkswagen legten sich daraufhin ins Zeug und setzen ein neues Krisenmanagement-Kapitel mit der Überschrift „Transparenter. Offener. Sorgfältiger. Wir arbeiten an einem neuen Volkswagen“ in die Zeitungen: „Wenn an einem Auto etwas beschädigt ist, gehört es in eine Werkstatt. Und wenn ein Unternehmen einen Fehler gemacht hat, muss auch dieser behoben werden (…). Wir tun alles dafür, damit so etwas nie wieder vorkommen kann„.

 

(Quelle: f.blick.ch)

Das war schon etwas klarer. Doch die Texter von „Grabarz & Partner“ versuchten sich mit  ihren Bibel-artigen Vergleichen immer noch in einem feierlichen Ton, der einem die Schuhe auszieht. Wir wollen unsere gute alte VW-Werbung zurück!

Buch VW, Kapitel 3 – „Höre auf zu schwafeln und mach“

Der letzte Text aus dem Buche VW liest sich dagegen schon heutiger: „Wir werden keine Zeit verlieren. Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung und informieren jeden betroffenen Kunden schnellstmöglich über die geplanten Maßnahmen. Wir garantieren Ihnen, dass Volkswagen alles unternehmen wird, um das Vertrauen unserer Kunden, der Händler und der Öffentlichkeit wieder zu gewinnen. All das gehen wir mit dem gebotenen Tempo und der Gründlichkeit an, die Sie jetzt von uns erwarten.

(Quelle: Screenshot info.volkswagen.de)

Na endlich. Hochdruck. Tempo. Gründlichkeit. Damit können wir wieder was anfangen. Könnten wir dann mal wieder über Fotos von Autos nachdenken? Die selbst auferlegte Werbepause dauert uns auch schon viel zu lange.

VW scheint unser Wehklagen übrigens mittlerweile erhört zu haben und schaltet wieder Werbung – für den „Touran“ (kein Prophet). Übrigens mit dem wohl bewusst gesetzten Claim „Allem gewachsen“. Oder stammt das aus dem dritten Buch Mose?

Kunde: NIKU Media AG